Busverbindung R140 Husum/Pellworm

Aufgrund der vielen Beschwerden von PellwormerInnen bezüglich der veränderten Busverbindung zwischen Nordstrand und Husum hat der Bürgermeister einen Brief mit den Hauptkritikpunkten an den Kreis Nordfriesland geschickt und um einen Gesprächstermin gebeten, in dem eine Problemlösung gefunden werden soll. Auch weiterhin steht das Projektmanagement für Fragen, Anregungen und Kritik zur Busanbindung zur Verfügung.

 

Busverbindung R 140 Husum/Pellworm

 

Sehr geehrte Frau Marggraf,

 

ich habe unser Projektmanagement beauftragt die Beschwerden der Pellwormer BürgerInnen bezüglich der Umstellung der Buslinie bis Ende August zu sammeln und auszuwerten. Nachdem sich der erste Sturm der Entrüstung in der Bevölkerung gelegt hatte, haben wir von vielen PellwormerInnen konstruktive Vorschläge und Kritikpunkte zum neuen Streckenverlauf erhalten. Wir haben einige Briefe und Mails erhalten, die meisten Kommentare bekamen wir jedoch telefonisch oder in zahllosen persönlichen Gesprächen.

 

Dies sind zusammengefasst die wesentlichen Kritikpunkte und Fragen unserer BürgerInnen:

 

 •         Die Haltestelle Rathaus Husum ist ersatzlos gestrichen worden. Der Weg vom Bahnhof bzw. ZOB ist für ältere Menschen und Mütter mit kleinen Kindern sehr beschwerlich. Das Umsteigen am ZOB ist aufwändig und zeitintensiv. Die alternativ benannten „rathausnahen“ Haltestellen sind vor allem für ältere Menschen unzumutbar weit entfernt vom Rathaus. Da das Rathaus Husum aber Anlaufstelle für viele Amtsangelegenheiten der PellwormerInnen ist, müssen viele InsulanerInnen dieses Gebäude mit seinen Institutionen mehr oder minder regelmäßig aufsuchen. Auch die Tatsache, dass der Bus auf dem Hin- und Rückweg unterschiedliche Haltestellen in Husum anfährt, finden viele PellwormerInnen sehr verwirrend.

 

 •         Die Abfahrzeiten der Busse sind für die Fahrgäste nicht immer nachvollziehbar. Des Öfteren wartet der Bus mit den Fahrgästen von der Fähre bis zu 20 Minuten, bevor er am Fähranleger losfährt. Nach Aussage von verschiedenen Busfahrern sind diese angehalten, zu warten, bis die Anlegebrücke hochgeklappt wird und die Fähre ihr Signalhorn ertönen lässt. Die hier geschaffene Zeitreserve ließe sich hervorragend nutzen, um die Rathaus-Haltestelle wieder wie früher anzufahren. Die verlängerte Wartezeit am Fähranleger führt allerdings dazu, dass Pellwormer Fahrgäste ihre Anschlusszüge am Bahnhof in Husum oftmals nur knapp erreichen oder sogar verpassen. Eine Synchronisierung der neuen Busfahrpläne mit den Bahnfahrplänen wäre in diesem Zusammenhang sicher sehr sinnvoll gewesen.

 

 •         Viele PellwormerInnen bemängeln, dass bei der Umstellung der Buslinie offenbar aus den Augen verloren wurde, dass die Buslinie auch zahllose Touristen vom Bahnhof in Husum zum Fähranleger befördert. Touristen haben aber immer auch Gepäck, also Koffer und Taschen dabei, für die es in den eingesetzten Bussen keine separaten Stauräume oder Gepäckablagen gibt. Das Gepäck der Pellworm-Besucher steht deshalb oft in den Gängen oder gar auf den Sitzen, was zu Stoßzeiten sicher keine befriedigende Lösung sein kann. Die Verkehrsplaner haben leider offenbar auch nicht berücksichtigt, dass nicht nur Pellworm-Besucher, sondern auch viele Gäste für Amrum über Nordstrand zu ihrem Urlaubsziel reisen. Defacto hat sich der Fähranleger auf Nordstrand inzwischen zum Drehkreuz für Amrum-Besucher und zusätzliche Gäste der Adler-Reederei  entwickelt.

 

 •         Ebenfalls nicht in der Planung der neuen Busverbindung berücksichtigt sind die Mutter-Kind-Einrichtungen des DRK. Gerade an Tagen mit DRK-Bettenwechsel sind die Busse hoffnungslos überfüllt, da dann bis zu 35 Familien zusätzlich zum regulären Fahrgastaufkommen zum Bahnhof transportiert werden müssen.

 

 •         Die Busse sind auch zum täglichen Schulbeginn und -ende extrem voll, teilweise überfüllt. Zu bestimmten Tageszeiten ist der Bus bereits am Kreishaus komplett überfüllt. Sitzplätze gibt es deshalb oftmals nicht. Auch ältere PellwormerInnen müssen dann oft lange stehen, bis sie endlich einen Sitzplatz bekommen. Dies birgt ein großes Unfall- und Verletzungsrisiko, falls der Bus unvermittelt stark abbremsen muss.

 

 •         Eine Fahrradmitnahme ist im R140 nicht immer möglich. Mehrere PellwormurlauberInnen sind bereits vom Busfahrer darauf hingewiesen worden, dass die Fahrradmitnahme trotz entsprechender Buchung und Bezahlung mit dem Bahnticket bis Pellworm nicht automatisch gewährleistet werden kann. Falls Menschen mit Rollator oder Rollstuhl in den Bus einsteigen würden, müssten die Radfahrer dann mit ihren Rädern aussteigen, um Platz zu machen für die neuen Fahrgäste. Angesichts moderner Buchungssysteme bei der Bahn und einem Busunternehmen, dass selbst Tochterunternehmen der Bahn ist, ist diese Vorgehensweise für die Pellworm-BesucherInnen nicht nachvollziehbar und sogar schädlich für den Pellworm-Tourismus, der auf Radfahren, Wandern und Nachhaltigkeit ausgelegt ist.

 

 •         Die Busse, die im Stadtverkehr in Husum eingesetzt werden, haben offenbar die Möglichkeit, Ampeln auf Grün zu schalten. Damit können sie sich schneller durch den Verkehr bewegen. Die Busse der Linie R140 haben diese Möglichkeit nicht. Sie müssen stattdessen an roten Ampeln warten, damit die Stadtbusse freie Fahrt haben.

 

  •         Viele InsulanerInnen und Gäste stellen die Frage, warum es keine direkte Busverbindung zwischen Husum und dem Fähranleger gibt. Stattdessen müssen alle PellwormerInnen und Gäste kreuz und quer über Nordstrand fahren und sprichwörtlich „an jeder Michkanne“ anhalten. Die Einrichtung einer solchen Direktverbindung an bestimmten Tagen bzw. zu bestimmten Uhrzeiten würde viele der o.g. Probleme verringern und die Attraktivität der Nordfriesischen Inseln als Tourismusdestination steigern.

 

Ein aktueller Streckenplan ist auch mehr als einen Monat nach Umstellung der Buslinie nicht im Internet zu finden.

 

Gern würde ich Ihnen im Rahmen eines zeitnahen Gesprächstermins die Kritikpunkte und Vorschläge persönlich erläutern. Falls dies nicht möglich ist, bitte ich um zügige Bearbeitung und Änderung zum Wohle unserer Bürger.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Norbert Nieszery

 

    -Bürgermeister-